Übungsgruppe Bildstreifen: Scuola communale

(Mittwoch, 18. November 2009)

kommun (lat.) veraltend für „gemeinschaftlich“; gemein (Duden, Bd. 1 Rechtschreibung, 24. Auflage, 2006)

Die Neuauflage des DELV bringt in den Bildstreifen viele neue Fotos unter anderem auch das Bild der Scuola Comunale (S.77) der beiden Tessiner Gemeinden Intragna und Golino am Eingang zum Centovalli. Das Gebäude dürfte wohl nicht mehr genutzt werden, thront doch am Rande der Ortschaft Intragna ein neues, grasgrün gestrichenes Schulhaus, das mit seiner giftigen Farbgebung weit herum sichtbar ist. Im Rahmen der Schulzusammenlegung im Kanton Tessin stehen viele idyllische Dorfschulhäuser heute leer.

Die Klasse Ama 3a hat bereits fünf Aufgaben der Übungsgruppe Bildstreifen gelöst sowie in der Vorwoche das Bild der Fernheizung mit den beiden Kaminen auf der linken und rechten Seite des Bildes.

Ich habe die Aufgabe in der Vorbereitung nicht selber gelöst, trotz meinen gegenteiligen Empfehlungen in allen DELV-Kursen; ich war der (irrtümlichen) Auffassung, die löse ich mit Links. (Falscheinschätzung des Anspruchsniveaus einer Aufgabe hat meist unangenehme Folgen).

Wir nummerieren also die zehn Bildstreifen der Aufgabe von links nach rechts durch.

Ein Lernender macht den Vorschlag, mit dem Streifen Nr. 9 zu beginnen, weil er den Anfang des Wortes Scuola enthalte. Sofort finden die Lernenden den Anschlusstreifen Nr. 1, der die Fortsetzung des Wortes und den Beginn des Wortes Comunale enhält. Kontrollinformation braucht es da nicht, finden die Lernenden (und ich auch). Der Anschluss mit Streifen Nr.6 ist klar, damit ist das Wort comunale komplettiert: 9 – 1 – 6. Die Leiter gibt uns die Suchinformation für den nächsten Streifen, den wir als Nr. 3 finden. 9 – 1 – 6 – 3 und dann?

Na klar, die im Streifen Nr.3 angeschnittene Bank wird im Streifen Nr. 10 vollendet (Suchinformation). In den beiden Stockwerken ist je ein Fensterladen angeschnitten, der sich im Bild 4 vollendet.

9 – 1 – 6 – 3 – 10 – 4 – und das Haus ist fertig. Also zurück zu Streifen 9; hier schliesst sich offenbar ein niedrigerer Anbau an, von dem man die Dachecke im Bildstreifen sieht (Suchinformation). Welcher Streifen schliesst da nach links an? Ist es Nr. 8, Nr. 5 oder Nr. 2?

Die in den Streifen 9 hineinragenden Zweige geben die Suchinformation, dass es Nr. 2 sein muss (Kontrollinformation). Was sich für die Lernenden als schwierig erweist, haben wir doch in den ersten fünf Streifen das Bild von links nach rechts entwickelt – jetzt gilt es die Betrachtungsweise umzustellen von rechts nach links. Links neben dem Streifen Nr. 9 steht also der Streifen Nr. 2.

Das am Gebäude angeschnittene Fenster gibt uns die Suchinformation, die uns zu Streifen Nr. 5 führt. Als Kontrollinformation dienen uns die Zweige über dem Fenster. Schnell finden die Lernende den nächsten Streifen, der sich links davon anschliesst. Der angeschnittene Fensterladen in Streifen Nr. 5 wird in Streifen Nr. 8 vollendet. Die Staude oberhalb des Fensters gibt uns die Kontrollinformation. Somit ergibt sich folgende Reihenfolge: 8 – 5 – 2 – 9 – 1 – 6 – 3 –10 – 4. Bleibt noch Streifen 7. Wo schliesst der an?

Ja, das ist dann eben der Erste, sage ich kurz entschlossen um die Aufgabe zu vollenden und mich dem weiteren Geschehen zuwenden zu können:

Reihenfolge ist 7 – 8 – 5 – 2 – 9 – 1 – 6 – 3 –10 – 4. Sieben von acht Lernenden tragen diese Reihenfolge ein und sind ebenso selbstzufrieden wie der Lehrer. Nur Matias hat aufgepasst:

„Kann nicht sein“, meldet er sich zu Wort,. „unten im Streifen Nr. 7 ist ein Stück Granitmauer mit einer Holzstange und die findet im Streifen Nr. 8 keine Fortsetzung“.

Verdutzt halte ich in meiner Selbstgefälligkeit inne. „Stimmt,“ sage ich kleinlaut, „wo kommt dann Streifen Nr. 7 hin?“ Meine Frage ist echt – keine der üblichen Lehrer-Scheinfragen aus dem Repertoire des fragend-entwickelnden Unterrichts, dem das Ehepaar Grell1 schon vor 25 Jahren den (scheinbaren) Garaus gemacht hat.

Ein wildes Durcheinander hebt an und jeder Lernende hat eine andere Lösung, was mit dem unsäglichen Streifen Nr. 7 geschehen könnte. Chaos und Durcheinander. Matias schmunzelt: „Unten im Streifen Nr. 4 ist eine Mauer und die setzt sich fort im Streifen Nr. 7!“

„Ja, aber die Holzstange endet im Niemandsland,“ versuchen einige Lernende zu entgegnen. Wieder hebt ein Durcheinander an. „Die endet im Niemandsland, weil es der letzte Streifen auf der rechten Seite ist; die Reihenfolge ist 8 – 5 – 2 – 9 – 1 – 6 – 3 –10 – 4 – 7“.

Danke Matias! Erleichtert knipse ich das Licht am Hellraumprojektor aus.

In der Pause konsultiere ich den Lösungsschlüssel: 8 – 5 – 2 – 9 – 1 – 6 – 3 –10 – 4 – 7.

Merke:

Kommunal ist nicht trivial – die Scuola Comunale hat es in sich.

Sie ist zwar kommun (d.h. gemeinschaftsstiftend), aber nicht „hundskommun“ (mundartlich für „ganz gewöhnlich“).

Fazit für „Erfahrene“:

Vielleicht das nächste Mal die Aufgabe doch in der Vorbereitung sorgfältig zu Hause lösen.

Sorgfältige Vorbereitung schützt vor Tohuwabohu (Wirrwarr, Durcheinander) im Klassenzimmer.

 

 


1 Grell, J. & Grell, M. (2007). Unterrichtsrezepte. Weinheim: Beltz Pädagogik

 

 
Bildsteifen: Scuola communale